TITONIs Zusammenarbeit mit Uli Kunz Seascoper

Bei der Lancierung der Seascoper 600 kooperiert die Schweizer Uhrenfirma TITONI mit dem renommierten Forschungstaucher und international bekannten Meeresbiologen Uli Kunz. In den folgenden Wochen präsentiert TITONI in loser Reihenfolge Auszüge aus einem längeren und sehr persönlichen Gespräch mit Uli Kunz über sein Leben und seine Unterwasserexpeditionen. Der TITONI ist es ein grosses Bedürfnis, einem interessierten Publikum über die Person eines professionellen Tauchers den nachhaltigen Umgang mit Meeren und den Schutz dieses reichen Ökosystems ans Herz zu legen. 

Erfahren Sie mehr über die «Faszination Unterwasserwelt» und Uli Kunz’ Motivation, Menschen für die Geheimnisse der Meere zu begeistern.   

Welche Verbindung hast du zu Wasser?

Wasser ist für mich der wichtigste Lebensraum auf unserem Planeten. Wir sind natürlich als Menschen sehr luft- und erdgebunden, müssen aber unseren Blick deutlich erweitern, damit wir ein Verständnis für den größten Lebensraum auf unserer Erde, den Ozean, bekommen, um ihn besser schützen zu können.

Was fasziniert dich an der Unterwasserwelt?

Das Leben ist im Meer, im Wasser, entstanden. Aber wir haben uns als Menschen während unserer Evolution und der Entstehung unserer Gesellschaften weit vom Meer entfernt und sehen es als einen lebensfeindlichen Ort an. Als Meeresbiologe und Taucher habe ich das Privileg, immer wieder an diesen Ort zurückzukommen, an dem sich reichhaltiges Leben in einer großartigen Vielfalt zeigt und an dem sich scheinbare Gegensätze zu einem vollständigen Gesamtbild fügen: Leben und Sterben, Veränderung und Stillstand, Egoismus und Kooperation, Heiß und Kalt.

Durch die räumliche Weite im Ozean und durch die Möglichkeit der freien Bewegung in alle Richtungen fühlt man sich beim Tauchen nicht wie ein außenstehender Besucher sondern vielmehr wie ein kleiner, wenn auch sehr tollpatschig-unbeweglicher Teil dieser bunten und verrückten Welt. Ein tolles Gefühl, das mir keine Angst macht, sondern mich immer wieder aufs Neue staunen lässt!

Welches sind für dich die grössten Rätsel der Unterwasserwelt?

Die Meere sind alle miteinander verbunden, Strömungen ziehen von einem Ozean in den nächsten, das kalte Wasser der Tiefsee wird irgendwann zum warmen Wasser der tropischen Gewässer. Und im gleichen Maße verbunden sind alle Meereslebewesen, manche davon wandern über riesige Strecken, um neues Futter zu suchen, einen Partner zu finden oder den Nachwuchs zur Welt zu bringen. Einige Tiere, wie zum Beispiel die gigantischen Walhaie, die größten Fische der Erde, verschwinden während ihrer Wanderschaft, um dann plötzlich an anderer Stelle wiederaufzutauchen. Was sie in der Zwischenzeit machen, wo sie sich aufhalten und wie sie im Ozean die Orientierung behalten, ist noch weitgehend ungeklärt. Aufregend und fantastisch!

Gibt es Geheimnisse in der Unterwasserwelt, die du noch nicht entdeckt hast, aber gerne noch entdecken möchtest?

Mit Sicherheit! Tausende! Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir bis heute nur einen Bruchteil aller lebenden Arten entdeckt haben. Gerade in der Tiefsee und unzugänglichen Meeresregionen gibt es Lebewesen, die noch kein Mensch gesehen hat. Und die zeigen wiederum Verhaltensweisen, über die wir nichts wissen. Und spielen eine Rolle im Ökosystem, die wir verstehen sollten, um das Meer besser zu bewahren und unsere eigene Rolle auf der Welt besser einzuschätzen. Es gibt noch viel zu tun!

Im lockeren Gespräch steht der Tiefseetaucher den Fragen von TITONI zum Thema «professionelles Tauchen und was es dazu braucht» Rede und Antwort:

Welches Handwerk und welche Leidenschaften benötigt man, um ein erfolgreicher und gleichzeitig «nachhaltiger» Taucher zu sein?

«Erfolg» ist vielleicht beim Tauchen etwas irreführend. Vielleicht ist es aussagekräftig, dass man ein sicherer und zufriedener Taucher werden kann, wenn man sich selbst nicht überschätzt, seine eigenen Fähigkeiten immer wieder überprüft und einen gesunden Respekt vor jedem Tauchgang bewahrt? Generell kann man unter Wasser nur Freude haben, wenn man sich wirklich in diesem Lebensraum wohlfühlt. Ich könnte zum Beispiel nie ein zufriedener Fallschirmspringer oder Bergsteiger werden, weil ich mich in der Luft bzw. in großer Höhe nie so sicher bewegen würde wie unter Wasser. So etwas kann jeder Mensch herausfinden, wenn er sich in diese Situationen begibt.

Tauchen wird häufig als ein extrem ausrüstungsintensiver Sport dargestellt, der nur von harten Typen ausgeführt werden kann bzw. von Typen, die hart sein möchten. Für tiefe Tauchgänge oder für Tauchgänge in Höhlen ist eine umfangreiche Ausrüstung nötig, aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dieser Ausrüstung ein Mensch steckt, der Fähigkeiten entwickeln muss, um in der jeweiligen Situation und mit der Ausrüstung auch sicher arbeiten zu können. Ohne ein großes Bewusstsein für den eigenen Körper, ohne die nötige Sensibilisierung für die Vorgänge in der Umgebung und ohne eine vorausschauende Sichtweise können schnell unangenehme Situationen entstehen, die Fehler provozieren und dem Taucher seine Sicherheit und seine Handlungsfähigkeit stark einschränken.

Welches sind die schwierigsten Herausforderungen für einen Taucher?

Vermutlich werden die mentalen Aspekte beim Tauchen häufig vernachlässigt. In warmen und klaren Gewässern wie in tropischen Korallenriffen fühlt sich ein Tauchgang ohne beengenden Neoprenanzug frei und leicht an. Bei meinen Einsätzen tauche ich häufig in kalten und trüben Gewässern, in einem Trockentauchanzug, mit dicken Handschuhen und schweren Tauchflaschen, was für viele Menschen körperlichen und damit auch mentalen Stress bedeutet. An diese zusätzlichen Belastungen muss sich jeder Taucher gewöhnen und damit die Grenzen der eigenen Belastbarkeit verschieben, um sich weiterhin wohlzufühlen.

3. Du tauchst auch in Höhlen. Was ist anders als beim Tauchen im offenen Meer?

Wassergefüllte Höhlen bieten gut ausgebildeten Tauchern eine fantastische Welt, die zu den letzten weißen Flecken auf unserem Planeten zählen dürfte. Wir kennen die gesamte Oberfläche des Mondes, aber nur einen winzigen Prozentsatz der Höhlen direkt unter unseren Füßen. Von schmalen, schlammverschmierten Röhren über labyrinthartig verzweigte, sich windende Tunnel zu gigantischen Hallen, die über und über mit Tropfsteinen verziert sind, bilden Höhlen wundersame Orte auf der Erde, die man nur erreichen kann, wenn man sich in sie hineinwagt.

Die zentrale Faszination erklärt auch gleich den Unterschied zum Tauchen im offenen Meer: Es gibt keinen direkten Weg an die Oberfläche und häufig nur einen Ausgang zurück an das Tageslicht. Sämtliche Probleme, sämtliche Zwischenfälle, müssen unter der Erde, unter der Höhlendecke gelöst werden. Was auf den ersten Blick für manche Menschen extrem gefährlich und abschreckend klingt, ist für gut ausgebildete Höhlentaucher ein Grund für zusätzliche Sicherheit. Beim Höhlentauchen wird wesentlich mehr Wert auf die Ausrüstung, die Fähigkeiten im Team und das Bewusstsein beim Tauchen gelegt, um schon in der Vorbereitung und der Risikoabschätzung auf möglichst viele Probleme eine Antwort parat zu haben. Beim Höhlentauchen benutzen wir mindestens zwei voneinander unabhängige Atemsysteme, wir mischen die richtigen Atemgase und achten auf unseren Gasverbrauch, wir orientieren uns an einer verlegten Leine, wir kommunizieren auf sehr bewusste Art und Weise zwischen den Tauchern und verwenden viel Zeit auf eine ausführliche Besprechung des Tauchgangs. Ich gehe soweit zu sagen, dass das Risiko, im Urlaub bei einem spontanen, sogenannten «Fun-Tauchgang» im Korallenriff einen Fehler zu machen und einen Unfall zu erleiden, größer ist als bei einem sorgfältig geplanten Tauchgang mit durchdachter Ausrüstung in einer kilometerlangen Unterwasserhöhle.

Bist du ein Abenteurer?

Das sollen andere entscheiden. Ich definiere mich sicher nicht als Abenteurer. Ich halte mich gerne in der Natur auf, erlebe faszinierende Momente in unterschiedlichen Lebensräumen und versuche einen Beitrag zum Schutz der Meere zu leisten.

Filme

1 - The Seascoper 600
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